Geschlechtsunterschiede beim Gehalt
"Frauen verdienen schlecht", titelte unlängst Deutschlands renommierte Wochenzeitung "Die Zeit" in einem Artikel. Bemängelt werden die erheblichen Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland. Über 20 Prozent rangiert der weibliche Teil der Erwerbswelt in puncto Durchschnittseinkommen demnach hinter dem männlichen Pendant. Ein viel zu hoher Wert, gerade im EU-Vergleich, wo lediglich Kleinstaaten wie Estland, Zypern und die Slowakei annähernd erhebliche Einkommensunterschiede aufzuweisen hätten.
Und tatsächlich lassen sich Beispiele für die karriere-begleitende Minderbezahlung weiblicher Arbeitnehmer zuhauf finden, wobei die Ursachen hierfür sicherlich vielschichtig sind. Zum einen werden Frauen in gleicher Position bei gleichwertiger Qualifikation per se schlechter bezahlt als Männer. Punkt. Auf dem freien Markt macht dies über zehn Prozent des berechneten Gehaltsunterschiedes aus. In einigen Branchen wie der Chemie oder in technischen Berufen ist der Malus besonders stark, in anderen Berufsgruppen wie der des Dolmetschers oder des Journalisten hingegen schwächer ausgeprägt.
Hinzu kommt, dass Frauen erheblich häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer, was sich nicht nur mindernd auf das Gehalt, sondern auch unförderlich auf die Karriere auswirkt. Zwar wird an der verbesserten Vereinbarkeit von Kind und Karriere seit einigen Jahren sowohl politisch als auch unternehmerisch vehement gearbeitet, doch optimal ist die Situation längst noch nicht. Zigtausende fehlende Krippenplätze und in Chefkreisen noch immer bestehende Vorbehalte verdeutlichen dies exemplarisch.
Teilschuld tragen die Frauen dagegen selbst, da ihre Selbstvermarktung in Bewerbungssituationen gemeinhin als verbesserungswürdig angesehen wird. So ist der Anteil weiblicher Klienten bei Karriere-Beratungen und vergleichbaren Anlaufstellen erwiesenermaßen deutlich höher als auf männlicher Seite, wo ein gutes Gehalt scheinbar noch immer als Äquivalent zum guten Job angesehen und in Bewerbungssituationen entsprechend artikuliert wird.
"Mehr Mut", raten renommierte deutsche Karriere-Berater weiblichen Berufseinsteigern, da eine Minderbezahlung den erbrachten Leistungen in der Regel nicht gerecht wird - im Gegenteil sogar.
(Bild: © Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO )