Gehaltsunterschiede in Ost und West
Auch rund zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung bleiben die Gehaltsunterschiede zwischen Ost und West beträchtlich. Zwar federn die niedrigeren Lebenshaltungskosten in den Neuen Bundesländern den Fehlbetrag auf der monatlichen Lohnabrechnung signifikant ab, doch wirklich angezogen fühlen sich Ingenieure, Ärzte, Journalisten und Co. hierdurch nicht. Ganz im Gegenteil führten die Gehaltsunterschiede in der Vergangenheit dazu, den ohnehin beträchtlichen "brain drain" gen Westen nochmals zu verschärfen.
Ob sich hieran in Zukunft etwas ändern wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Politik verspricht, der Solidarzuschlag strömt, doch etliche Schlüsselindikatoren wie beispielsweise die erodierende Bevölkerungsstruktur des Ostens deuten unmissverständlich an, wie schwer es die Neuen Länder auch in Zukunft haben dürften, wirtschaftlich zur alten BRD aufzuschließen. Kurzum: Wer sich beruflich für den Osten Deutschlands entscheidet, muss mitnichten den schlechteren Job und schon gar nicht das schlechtere Wohnumfeld vorfinden, lediglich rechnen wird sich das Unterfangen möglicherweise nicht - zumindest an Westmaßstäben gemessen.
Aktuelle Zahlen besagen, dass die Gehaltsunterschiede vor allem im technischen Bereich enorm sind: So herrschen im Stahlgewerbe sowie im Heizungs- und im Maschinenbau Diskrepanzen von teils über 30 Prozent. Aber auch im Webdesign und anderen IT-Bereichen sind mit 25 und mehr Prozent deutliche Lohneinbußen möglich, - Ärzte, Juristen und Journalisten tummeln sich derzeit bei etwa 15 Prozent. Deutlich besser scheint die Situation dagegen in manchen Dienstleistungssektoren, wo vor allem Kellner(innen) und Verkäufer(innen) annähernd Westniveau erreichen.
Trotz erheblicher Investitionen in der Vergangenheit stagniert die Wirtschaftleistung des Ostens derzeit im Vergleich zum Westen bei rund 70 Prozent, wobei auch eine erneute Vergrößerung des Unterschiedes laut einer Beurteilung des IFO-Instituts nicht ausgeschlossen werden kann. Die Gefahr hierfür besteht allemal, lediglich dem Berliner Umland (Potsdam), Leipzig und Dresden werden gute Zukunftsperspektiven zugesprochen.
(Bild: © Viktor Mildenberger / PIXELIO )